Blockbuster
Walter Kaufmann dürfte zu den weltweit
meistgehörten Komponisten gehören – auch wenn
sich das Publikum dessen wohl kaum bewusst ist. Es
ist seine Erkennungsmelodie für das „All India
Radio“, die immer noch jeden Tag gespielt wird. Was
der weitgereiste und welterfahrene Musiker,
Konzertmanager und Musikethnologe sonst noch zu
bieten hat, zeigt Stefan Veselka mit seinen
Regensburger Philharmonikern in einer
hochwillkommenen Neuaufnahme, die vier Werke
aus Kaufmanns produktivster Schaffensphase
während seines Aufenthalts in Indien präsentiert.
Bollywood
Bereits während seines Studiums in Berlin, unter
anderem bei Franz Schreker, wurde Kaufmann auf
außereuropäische Musik aufmerksam. 1934 kaufte
er aus dem Erlös einer ersten Operette ein (Rück-)Ticket nach Bombay, um die Musik Indiens näher
kennenzulernen. Bald nach seiner Ankunft entstand
dort die 2. Sinfonie, in die unmittelbar erste
Eindrücke indischer Melodik einflossen.
Breitwand
In der großen Rhapsodie Indian Facades verarbeitet
Kaufmann originale Ragas, traditionelle indische
Melodieformen, und überträgt Kompositionsprinzipien
der indischen Kunstmusik auf das
klassische europäische Orchester. So bilden Bordun
und Rhythmus ein Spannungsverhältnis zur Raga, die
zu Beginn jedes der sieben Teile solistisch
vorgetragen wird.
Bloomington
Im Kontrast zum feierlichen Duktus der Indian
Facades steht der rasante Madras Express, in dem
Kaufmann auf rhythmisch äußerst attraktive Weise
seine ausgedehnten Bahnreisen in den Süden des
Subkontinents anklingen lässt. Dirge ist ein
Klagegesang von großer Tiefe, entstanden 1946 auf
dem Schiff nach London; Zwischenstation nur, bevor
er sich in Kanada und in den USA große Verdienste
um die Musikethnologie erwarb.