feurig
Wüste Beschimpfungen sind keine Erfindung unserer Zeit: Francesc Valls – er lebte nahezu zeitgleich mit Bach - musste sie Anfang des 18. Jahrhunderts über sich ergehen lassen: An die 80 Beiträge sind anlässlich der controversia de Valls überliefert, die sich an kühnen Dissonanzen in seiner Missa scala aretina entzündete. Gordon Safari zeigt in der neuesten Aufnahme mit seinem BachWerkVokal, dass Valls noch viel weiter gehen konnte. Man hört zu und staunt immer wieder: Selbst vor Vierteltönen schreckte der Katalane nicht zurück…
vielfältig
Große Anerkennung erlangte Valls mit der Mapa armónico práctico, in der er Kompositionsmodelle in komprimierter Form zusammenstellte. Sie umfassen oft nur wenige Takte – und doch eröffnen sie einen immensen Kosmos an musikalischen Ausdruckmöglichkeiten und bieten andauernd neue musikalische Überraschungen, die immer wieder in Verblüffung versetzen.
hellhörig
Da gibt es großartige und raumgreifende Echowirkungen, chromatische Rückungen zur Darstellung der Verbitterung, schier endlose Vorhaltsketten lassen die Liebe in Sehnsucht schmachten, oder unvorhersehbare harmonische Fortschreitungen ziehen die Aufmerksamkeit auf sich – „aufpassen!“ sagt ja auch der Text…
großräumig
Auch als Kontrapunktiker braucht Valls sich hinter den Zeitgenossen nicht zu verstecken, wie der Kanon Ecce enim veritatem in mehrchöriger Satzweise eindrucksvoll belegt. Im dreidimensionalen Sound der hochauflösenden Super Audio CD kommt die Raumwirkung dieser großartigen Komposition besonders gut zur Geltung – ein spannendes barockes Hörfest für entdeckungsfreudige Musikliebhaber!
Rezensionen
„ein durchgehend glücklicher Fund, dessen Attraktivität in bedeutendem Maße den Darbietenden geschuldet ist. Neben der guten instrumentalen Gestaltung, handelt es sich bei der Zusammenstellung der Gesangssolisten um ein echtes Fest.“ (Pizzicato)
"In der Musik- und Fachwelt dürfte das als eine der sensationellsten Entdeckung dieses zu Ende gehenden Jahres aufhorchen lassen... Eine singuläre Komponisten- und Werkentdeckung sondergleichen!“ (KulturExtra: höchste Bewertung)
„Exquisite Klangkunst... Eingerahmt wird Valls Werkfolge durch strahlende Werke, denen Trompeten und Pauken Glanz verleihen: In te Domine speravi und Victimae paschali laudes. Dazwischen erklingen Musiken, die meist nur wenige Minuten dauern und deren Texte teilweise der lateinischen Liturgie entstammen, teilweise aber auch von unbekannten Autoren spanischer Herkunft stammen. Sie alle sind geprägt durch kontrapunktische Kunstgriffe wie auch durch kühne harmonische Experimente. Dies geht bis zur Verwendung von Vierteltönen in einer Composicion Enharmonica para Instrumentos de Arco. Bei den Wiedergaben spürt man, dass es für die Vokalisten keine Abgrenzung von Soli und Tutti gibt. Klar und auf den Klang der Instrumente hörend und eingehend, entsteht ein Zusammenwirken, das beflügelt. Gordon Safari sorgt nicht nur für die Balance zwischen den Klanggruppen, sondern auch für lebendigen Ausdruck. Die Tempi sind trefflich den unterschiedlichen Ausdruckswerten angepasst, wobei die geschickte Auswahl der Stücke für kontinuierliche Spannung sorgt.“ (Klassik Heute Empfehlung)
„Empfohlen... Die vorliegende CD ist eine höchst interessante und überraschende Ergänzung der Diskografie von Valls’ Œuvre. Sie ist ein eindrucksvoller Beweis für seine Qualitäten als Komponist, aber auch für seine Unabhängigkeit in der Art und Weise, wie er Texte vertont und Harmonie aus expressiven Gründen einsetzt (wie der Titel dieser CD, „conafecto”, andeutet). Das wird hier vom Ensemble BachWerkVokal, dessen frühere CDs mir sehr gut gefallen haben, perfekt umgesetzt. Der Gesang des gesamten Ensembles ist von höchster Qualität, und dank der präzisen Intonation kommen die vielen harmonischen Besonderheiten perfekt zur Geltung. Eine Reihe von Sängern des Ensembles sind einzeln zu hören, und alle haben schöne Stimmen und präsentieren sich hervorragend. Sie werden nicht namentlich genannt, mit Ausnahme von Konstantin Igl, der Mas ay de mi wunderschön singt. Nicht zu vergessen ist das hervorragende Instrumentalensemble, insbesondere die Klarinetten- und Trompetenspieler. Was auch immer die Motive von Valls' (damaligen) Kritikern gewesen sein mögen, es ist leicht nachvollziehbar, dass seine Behandlung der Harmonie für einige Kontroversen sorgte. Das wird hier anschaulich illustriert. Gleichzeitig zeigt diese CD, dass er ein ausgezeichneter Komponist war, und man kann nur hoffen, dass mehr von seinem Werk aufgeführt und aufgenommen wird.“ (MusicWeb)
„Die Werke des Barockkomponisten Francesc Valls überraschen mit wilden Akkordrückungen, exzessiven Vorhalten und einer Chromatik, die sogar den Gebrauch von Vierteltönen einschließt. Irre! eine Riesenentdeckung, packend interpretiert“ (FonoForum Empfehlung)
„... in denen Valls mit seinerzeit äußerst gewagten musikalischen Mitteln arbeitet: mit erstaunlichen Akkordrückungen und Vorhalten, die immer wieder Dissonanzen erzeugen bis hin zur Vierteltönigkeit. Das ist in der Musik von heute nichts ungewöhnliches, aber in barocker Musiksprache – Valls war ein Zeitgenossen Bachs – wirkt das auch auf heutige Hörer außergewöhnlich... Safari schafft es, die vielen kurzen Stücke unter einen großen Bogen zu spannen, der das ganze Album trägt, und sein Ensemble BachWerkVokal singt ausdrucksstark – und auch in den Soli überzeugend.“ (Klassik Festival)
„Die Hexenküche eines Kompositionslehrers... Ein Stück, das einen fast aus den Schuhen hebt: In der Composicion Enharmonica para Instrumentos de Arco verlangt Francesc Valls sogar Vierteltöne – eine Spektralmusik aus der Mitte des 18. Jahrhunderts! In seiner Hexenküche hat dieser Kompositionslehrer die unglaublichsten Dinge angerührt.
Es sind nicht nur ultrakurze Lehrstücke auf dieser CD beisammen, man lernt auch einige umfänglichere Kompositionen aus der Feder dieses wohl weit unterschätzten Komponisten kennen: die freudvolle, zehnstimmige Fronleichnamssequenz Lauda Sion beispielsweise, ein nicht minder mitreißendes achtstimmiges Laudate Dominum oder das mit Geigen und Trompeten triumphalisch aufgepeppte Victimae paschali laudes.“ (drehpunktkultur.at)
„... eine der spannendsten Barockveröffentlichungen der letzten Monate... Das Ensemble BachWerkVokal erweist sich als ideal für dieses Repertoire. Der Chor mit seiner vorbildlichen Homogenität verbindet Transparenz und Dichte und gibt jeder Stimme ihren Platz, ohne jemals die Gesamtdynamik zu beeinträchtigen. Das SACD-Format bringt den Reichtum der Klangfarben, die Präzision der Attacke und die Kraft des Chores besonders gut zur Geltung. Diese Musik findet endlich wieder zu einer eigenen Stimme, einer eigenständigen Präsenz und einer fast zeitgenössischen Aktualität zurück.“ (Opus d'Or - Opus HD)